education

Thomas Koch

Gastkommentar zur bildungspolitischen Situation

Der Essener Stadtverband der GEW druckt einen aktuellen Kommentar eines prominenten Interlektuellen zur Situation der Bildung:

Eltern
Manche Eltern kümmern sich nicht um die Kinder. Sie machen es wie der Strauß, der seine Eier auf die Erde legt und weggeht. Sie lassen es dabei bleiben, dass die Kinder gezeugt haben, nicht mehr tun sie dazu. Solche Kinder wachsen ungezogen auf, und sind den andern Kindern Gift und Schmeisse, so dass sie zuletzt die ganze Stadt verderben.
Viele Eltern sind leider zu ungeschickt, die Kinder zu lehren. Sie haben selbst nichts gelernt außer den Bauch zu versorgen.
Einige Eltern wären geschickt genug und wollten ihre Kinder lehren, aber ihre Geschäfte und Haushalte gibt ihnen weder Zeit noch Raum dazu. Wenn sich jeder von ihnen einen eigenen Hauslehrer halten müsste, würde es oft um der Armut willen nicht möglich sein.
Politiker
Darum soll es dem Rat und der Obrigkeit gebühren, die allergrößte Sorge um das junge Volk zu haben. Sie täten nicht redlich vor Gott und der Welt, wo sie der Stadt Gedeihen nicht suchten mit allem Vermögen, Tag und Nacht.
Nun liegt einer Stadt Gedeihen nicht allein darin, dass man große Schätze sammle, feste Mauern baue und schäne Häuser. Sondern das ist einer Stadt bestes Gedeihen, dass sie feine, gelehrte, ehrbare und wohl erzogene Bürger hat.
Es ist eine unmenschliche Bosheit, so man nicht weiter denkt denn so: "Wir wollen jetzt regieren, was geht es uns an, wie es denen gehen werde, die nach uns kommen." Nicht über Menschen, sondern über Säue und Hunde sollten solche Leute regieren.

Martin Luther, Sendschreiben "An die Radtherrn aller stedte deutsches landes" (1524) nach: GEW info Stadtverband Essen Ausgabe 139/2006

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